Schonischer Krieg

Als Schonischer Krieg werden die militärischen Kampfhandlungen zwischen dem Königreich Dänemark und dem Königreich Schweden in Schonen im Zuge des Nordischen Krieges von 1674–1679 bezeichnet. Der Kriegsschauplatz in Schonen wurde im juni 1676 von dänischer Seite mit dem Ziel eröffnet, diese ehemaligen dänischen Gebiete zurückzuerobern. Ohne die Rückeroberung Schonens erreicht zu haben, schlossen Dänemark und Schweden am 26. September 1679 den Frieden von Lund.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorgeschichte

Expansion Schwedens 1560–1660
Expansion Schwedens 1560–1660

In den Jahren von 1643 bis 1661 hatte Dänemark zwei erfolglose Kriege gegen Schweden geführt. Nach dem sog. Torstenssonkrieg hatte es im Frieden von Brömsebro (1645) Jämtland, Härjedalen, Gotland und Saaremaa an Schweden abgetreten. Während des Nordischen Krieges verlor es im Frieden von Roskilde (1658) auch Schonen, Blekinge und Halland (Skåneland). Diese Verluste wurden in der dänischen Regierung nicht endgültig akzeptiert. Hinzu kamen die umfangreichen Streitigkeiten zwischen Dänemark und Schweden um das Herzogtum Holstein-Gottorf, die durch die Heirat Karls X. Gustavs mit Hedwig Eleanora von Holstein-Gottorf noch an Brisanz gewannen.[1] Die dänische Regierung bemühte sich in den 1660er Jahren um Verbündete und schloss Defensivbündnisse mit der Republik der Vereinigten Niederlande und Brandenburg-Preußen ab.

Die schwedische Regierung hatte andererseits Mühe, die finanziellen Mittel aufzubringen, um den erreichten Großmachtstatus zu verteidigen. Nach dem Tod König Karls X. Gustav (1622–1660) übernahm zunächst ein Regentschaftsrat unter Reichskanzler Magnus Gabriel De la Gardie (1622–1686) die Regierungsgeschäfte, da der Thronfolger Karl XI. (1655–1697) zu diesem Zeitpunkt die Volljährigkeit noch nicht erreicht hatte. Innerhalb des Rates setzte Finanzminister Gustav Bonde (1620–1667) radikale Kürzungen im Budget für Marine, Heer und Festungsbau durch.[2]

Um die chronischen Engpässe im Haushaltsplan zu füllen, schloss der Regentschaftsrat im April 1672 einen Subsidienvertrag mit Frankreich, welches versprach, 400.000 Riksdaler pro Jahr bereitzustellen, wenn Schweden sich verpflichtete, 16.000 Soldaten in Schwedisch-Pommern zu unterhalten. Im Kriegsfall sollte diese Summe auf 600.000 Riksdaler erhöht werden. Die französische Regierung verfolgte mit dieser Politik das Ziel sich des Beistandes Schwedens im lange geplanten Krieg gegen die Republik der Vereinigten Niederlande zu sichern.[3]

König Ludwig XIV. von Frankreich (1643–1715) befahl nur wenige Wochen später den Einmarsch in die Niederlande. Der damit begonnene Konflikt (Holländischer Krieg) weitete sich bald zu einem gesamteuropäischen Krieg aus. Vor allem Friedrich Wilhelm (1620–1688), Kurfürst von Brandenburg, unterstützte die Niederlande mit einem starken Heer, das zwischen 1672 und 1674 zusammen mit kaiserlichen und Reichstruppen am Rhein gegen die französischen Truppen operierte. Letztere gerieten immer weiter in die Defensive und Frankreich bedrängte deshalb den schwedischen Verbündeten, der im Bewusstsein seiner finanziellen und militärischen Schwäche eine Neutralitätspolitik verfolgt hatte, in den Krieg einzugreifen. Schwedische Truppen sollten in die Mark Brandenburg einfallen und so die brandenburgischen Truppen vom Rhein abzuziehen.

[Bearbeiten] Operationen bis zur Eröffnung des Kriegsschauplatzes in Schonen

Siehe Hauptartikel: Nordischer Krieg 1674–1679

Schwedische Truppen eröffneten noch im Winter 1674/75 die Kriegshandlungen und drangen im Sommer bis in das Havelland vor. Dort erlitten sie jedoch im Juni 1675 eine Niederlage in der Schlacht bei Fehrbellin, nach welcher sie sich überstürzt zurückzogen. Gemeinsam mit dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und einigen deutschen Fürstentümern erklärte Dänemark nun am 15. September 1675 Schweden den Krieg. Dahinter stand die Ansicht, dass sich eine Gelegenheit ergab die Ergebnisse der Friedensverträge von Brömsebro und Roskilde zu revidieren.

In der ersten Phase des Krieges richtete sich der Angriff der Verbündeten Dänemark und Brandenburg-Preußen gegen die schwedischen Besitzungen in Norddeutschland. So wurde noch 1675 Wismar, der größte Teil Schwedisch-Pommerns und Bremen-Verdens eingenommen (Bremen-Verdener Feldzug).

Gleichzeitig operierte eine holländisch-dänische Flotte in der Ostsee und am 1. Juni 1676 siegte sie unter der Führung des holländischen Admirals Cornelis Tromp über die schwedische Flotte in einer Seeschlacht an der Südspitze von Öland, wodurch sie die Seeherrschaft erlangte. Öland wurde von dänischen Truppen besetzt.

[Bearbeiten] Kriegsverlauf in Schonen (Juni 1676–1679)

Ende Juni 1676 setzten dänische Truppen nach Schonen über, wo sie zwischen Råå und Helsingborg an Land gingen und innerhalb weniger Monate ganz Schonen mit Ausnahme Malmös sowie Teile Blekinges eroberten. Gleichzeitig marschierte eine dänisch-norwegische Armee von Norwegen aus entlang der Küste in Richtung Göteborg, verheerte Uddevalla und Vänersborg, kam aber an der Festung Bohus zum Stehen.

Ende 1676 wendete sich das Kriegsglück. Der schwedische König Karl XI. marschierte mit einer Armee in Schonen ein und siegte am 4. Dezember in der Schlacht bei Lund, einer der blutigsten Schlachten in der Geschichte Skandinaviens (50% an Gefallenen auf beiden Seiten). Damit wurde die Rückeroberung der Provinzen Schonen und Blekinge eingeleitet. Ein weiterer schwedischer Sieg wurde am 14. Juli 1677 in der Schlacht bei Landskrona erfochten.

Von Sommer 1677 bis Sommer 1678 konzentrierte sich der Krieg vor allem auf die Stadt Kristianstad, die noch von Dänen gehalten wurde und erst nach langer Belagerung im August 1678 kapitulierte, sowie auf die Zurückdrängung der dänisch-norwegischen Truppen aus den westschwedischen Provinzen. Ein weiteres Problem für Schweden waren die nordschonischen Freischützenkorps und Partisanenverbände auf der Seite Dänemarks, die so genannten Snapphanar (dänisch: Snaphaner), die eine ständige Bedrohung für die schwedischen Versorgungslinien waren. Mit drakonischen Strafen versuchte der schwedische König dieser Bewegung Herr zu werden. So erließ er etwa am 19. April 1678 den Befehl, alle Höfe im Kirchspiel Örkened niederzubrennen und alle Männer, die ein Gewehr tragen konnten (alle Männer zwischen 15 und 60 Jahren), hinzurichten.

[Bearbeiten] Kriegsverlauf auf den anderen Schauplätzen (Juni 1676 –1679)

Während die schwedischen Truppen an Land erfolgreich waren, erlebte die schwedische Flotte im Sommer 1677 vernichtende Niederlagen in den Seeschlachten bei Mön und Køge.

[Bearbeiten] Kriegsende und Friedensschlüsse

Mitte 1678 endete der Französisch-Niederländische Krieg mit dem Frieden von Nimwegen und Dänemark und Brandenburg verloren nun ihre Verbündeten. Im Friedensvertrag von Saint-Germain-en-Laye trat Schweden einige kleinere Gebiete in Deutschland ab und im Frieden von Lund wurde der Krieg zwischen Dänemark und Schweden ohne Gebietsabtretungen beendet.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Robert I. Frost: The Northern Wars - War, State and Society in Northeastern Europe, 1558–1721, London/ New York 2000, S.209
  2. Robert I. Frost: The Northern Wars - War, State and Society in Northeastern Europe, 1558–1721, London/ New York 2000, S.208f
  3. Robert I. Frost: The Northern Wars - War, State and Society in Northeastern Europe, 1558–1721, London/ New York 2000, S.209

[Bearbeiten] Literatur

  • Michael Busch: Absolutismus und Heeresreform - Schwedens Militär am Ende des 17. Jahrhunderts, Winkler Verlag, Bochum 2000. ISBN 3-930083-58-2
  • Robert I. Frost: The Northern Wars - War, State and Society in Northeastern Europe, 1558–1721, Longman Publishings, London/ New York 2000. ISBN 0-582-06429-5
  • Helmut Pemsel: Seeherrschaft - Eine maritime Weltgeschichte von der Dampfschiffahrt bis zur Gegenwart, Bd.1, Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1994. ISBN 3-89350-711-6

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