John Doe

John Doe ist ein englischer Platzhaltername für fiktive oder nicht identifizierte Personen. John war lange Zeit der häufigste englische Männername. Doe bezeichnet eine Hirschkuh.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Bedeutung

Im gesamten anglo-amerikanischen Rechtsraum bezeichnet John Doe eine fiktive Prozesspartei oder einen sonstigen fiktiven Beteiligten des Prozesses.[1] Auch der fiktive Name einer existenten, aber nicht identifizierten Prozesspartei. Zu diesem Zweck werden auch andere Bezeichnungen verwendet, z. B. Richard Roe, John Stiles, Richard Miles, etc. Die weibliche Form lautet Jane Doe. Der bekannteste derartige Fall ist wohl das Abtreibungsurteil Roe v. Wade, in dem die Klägerin Norma McCorvey unter dem Pseudonym Jane Roe auftrat.

Der Begriff hat darüber hinaus als Bezeichnung für eine fiktive oder nicht identifizierte Person Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden. Insofern bezeichnet er:

[Bearbeiten] Alternativen

Im Englischen

  • Jane Doe, weibliche Alternative
  • ACME, Name für fiktive Firmen

Im Deutschen

[Bearbeiten] Verwendungen

Film

Kultur

Musik

  • ein Song der Metal-Band Within Temptation trägt den Titel Jane Doe
  • Jane Doe heißt auch ein Song der amerikanischen R&B-Sängerin Alicia Keys
  • Ein 2001 erschienenes Album der New School-Hardcore Band Converge („jane doe“)
  • Ein 1996 erschienenes Album der niederländischen Rockband [Wish] die mit dem früheren Sänger von The Gathering zusammenarbeitete.
  • Eine 1996 gegründete Rock-Cover-Band aus Albstadt
  • Eine Deathmetal Band aus Oberhausen nannte sich "The John Doe Massacre"

Personen

[Bearbeiten] Herleitung

Der Begriff John Doe wurde spätestens seit dem siebzehnten Jahrhundert von englischen Gerichten zur Bezeichnung fiktiver Parteien im Rahmen der sog. action of ejectment verwendet. Es finden sich auch andere Namen, wie z. B. Richard Roe (Roe: engl., Reh), John Stiles, Richard Miles etc. Warum gerade diese Namen verwendet wurden, ist nicht bekannt. Aber es kann davon ausgegangen werden, dass die Häufigkeit des Namens John eine Rolle gespielt hat.

Mit der action of ejectment konnten in England bis zum Common Law Procedure Act 1852 Eigentumsrechte an Grundstücken durchgesetzt werden.

Common law erlaubte eine Klage ursprünglich nur, wenn sie einer bestimmten Klageform, einem writ, zugeordnet werden konnte. Die richtige Klageform für die Durchsetzung des Eigentumsrechts an einem Grundstück war eigentlich der writ of right, der die Frage des Eigentumsrechts für ein und alle Mal klärte. Die Klage durch writ of right war jedoch so aufwändig, dass nach einem Ersatz gesucht wurde. Dies war die action of ejectment.

Grundlage der action of ejectment war der writ of trespass de ejectione firmae. Ursprünglich diente die action of ejectment nur dem Schutz von Pächtern (lessees). Ihr Zweck war es, eine Person, die gegenüber dem Pächter kein Recht zum Besitz besaß, von dem Grundstück zu verweisen.

Die Klage musste freilich abgewiesen werden, wenn der Beklagte beweisen konnte, dass er selber Pächter des Grundstücks war und dass sein Verpächter an dem Grundstück ein besseres Recht besaß als der Verpächter des Klägers. So hing der Erfolg der Klage also letztlich von der Frage ab, welcher Verpächter der wahre Eigentümer des Grundstücks war.

Dies machte man sich im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert zunutze, um die Schwierigkeiten des writ of right zu umgehen. Wer die Eigentumsverhältnisse geklärt haben wollte (A), verpachtete das Grundstück an einen Freund (D). Dieser nahm das Grundstück in Besitz und ließ sich von diesem vertreiben. Entweder durch denjenigen der das Eigentum für sich reklamierte (B) oder durch einen anderen Freund des A, den casual ejector oder ouster, der als vermeintlicher Pächter des B eigens dazu beauftragt wurde (R).

Der vermeintliche Pächter des A (D) erhob nun die action of ejectment gegen denjenigen der ihn vertrieben hatte. War dies der casual ejector (R) gewesen, unterrichtete dieser nun den B und riet ihm, dem Verfahren beizutreten um sein vermeintliches Eigentum zu verteidigen, wobei die Nachricht oft ironisch mit „your loving friend“ unterzeichnet wurde.

1656 soll Rolle C. J. dazu übergegangen sein, von B zu verlangen, alle Voraussetzungen der Klage, Verpachtung (lease), Inbesitznahme (entry) und Vertreibung (ouster), außer dem Eigentumsrecht des A (title) zuzugestehen, bevor diesem der Beitritt zum Verfahren gestattet wurde. Diese Voraussetzungen wurden in der Folge zur reinen Fiktion. Weder die Verpachtungen, noch Inbesitznahme, noch Vertreibung fanden tatsächlich statt. Der fiktive klagende Pächter wurde als John Doe bezeichnet. Der fiktive beklagte Pächter (casual ejector) wurde als Richard Roe bezeichnet.

Die Klage lautete daher “Doe upon a demise [lease] from A v Roe upon a demise from B”, kurz „Doe d. A v. Roe d. B“ (Siehe Beispiele).

Aus England und Wales ist die Verwendung fiktiver, also tatsächlich nicht existenter Parteien nach 1852 nicht bekannt. In einigen wenigen Fällen ist der Begriff John Doe verwendet worden, um eine existente, aber nicht identifizierte Partei (vor allem Beklagte) zu bezeichnen (Barnett v French [1981] 1 WLR 848 (DC) m.w.N.).

Im Justizsystem der USA ist die Verwendung der Parteibezeichnung John Doe und Richard Roe auch heute noch gebräuchlich.


[Bearbeiten] Literatur

Kiralfy, A. K. R.: Potter’s Historical Introduction to English Law and its Institutions, London, Sweet & Maxwell, 4. Auflage 1958.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Romain, Alfred: Wörterbuch der Rechts- und Wirtschaftssprache, 4. Auflage 1989.

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